Gerber

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Der Beruf Gerber

Früher gab es in fast jeder Stadt Gerbereien und Gerber. Heute gibt es nur noch wenige Gerbereien in Deutschland, und der Beruf des Gerbers wird daher auch nicht mehr so oft erlernt. Die Lederherstellung ist ein Prozess mit vielen Arbeitsschritten. Daher gibt es die verschiedensten Arbeitsplätze in einer Gerberei.


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Traditioneller Gerber in London (Foto von www.colourlock.com)

 

Eine Berufsbeschreibung aus dem Jahr 1568: "Die heuwt, die henk ich in den Bach, Werff sie in den Escher darnach, Dergleich die Kalbfel auch also, Darnach wirff ich sie in das Loh, Da sie ir ruhe ein zeit erlangn, Darnach henck ichs auff an die Stangn, Wüsch darnach ab mit eim Harwüsch, Und habs feyl auff dem Leder Tisch". Quelle: Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden, hoher und nidriger, geistlicher und weltlicher, aller Künsten, Handwercken und Händeln ..." / Jost Amman und Hans Sachs, Frankfurt am Main, 1568.

Ein alter Gerberspruch: "In des Leders Werdegang ist die Hauptsache der Gestank. Kalk, Alaun, Salz, Mehl, Arsen machen's gar, recht weiß und schön. Eigelb, Pinckel, Hundeschiete geben ihm besondere Güte. Drum ist es ein Hochgenuß, auf den Handschuh zart der Kuß."


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Viele verbinden mit dem Beruf des Gerbers Gestank und giftige Chemie. Aber diese Zeiten sind schon lange vorbei. Inzwischen sind die modernen Gerbereien fast geruchsneutral und um eine kürzere Lebenserwartung braucht man sich keine Sorgen zu machen. Bei manchen Arbeitsschritten ist Körperkraft erforderlich. Die Lederhäute der Rinder sind großflächig, mit Wasser vollgesogen und daher auch sehr schwer.

Da die Gerbung der Umgang mit einem Naturprodukt ist, bleibt die Gerbung immer eine Herausforderung für den Gerber. Die vielen Arbeitsschritte in der Gerberei müssen im Bearbeitungsprozess ständig auf das Material abgestimmt sein, um bestmöglichstes Leder herzustellen. Heutzutage ist der Beruf des Gerbers ein Beruf mit Ansehen und man muss sich ständig weiterbilden, um auf dem neusten Stand der Herstellungstechnik zu bleiben.


Berufsausbildung zum Gerber - zur Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik

Ab 2015 ist die Berufsbezeichnung "Gerber" in "Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik" geändert worden. Der Gerberberuf ist ein nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung anerkannter Ausbildungsberuf mit drei Jahren Lehrzeit, die aus verkürzt werden kann. Gerber erlernen die Verarbeitung von Rohhäuten zu Leder anhand angemessener Gerbverfahren. Sie sind sowohl in Handwerk als auch in der Industrie, in Gerbereien, Lederfärbereien und weiterverarbeitenden Betrieben tätig.

Zugangsvoraussetzungen zum Gerberberuf sind in der Regel mindestens ein sehr guter Hauptschulabschluss sowie ein gut ausgeprägtes technisches Denken. Die praktische Ausbildung findet im Lehrbetrieb statt.

In der Kerschensteinerschule in Reutlingen werden Gerber und Pelzveredler ausgebildet.


Ledertechniker - Zusatzqualifikation Gerberei- und Ledertechnik

Früher gab es die Möglichkeit, dass ein Gerber sich zum staatlich anerkannten Ledertechniker weiterbilden konnten. Nach dem Wegfall dieser Möglichkeit, bietet die FILK (Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen FILK) seit 2015 die Möglichkeit, die Zusatzqualifikation "Gerberei- und Ledertechnik" zu erwerben. Diese Zusatzqualifikation ist staatlich anerkannt und und IHK-geprüft. Das Modul besteht aus sieben Präsenzwochen, die durch Selbstlernphasen unterbrochen werden und endet mit einer Abschlussprüfung. Voraussetzung für den Erwerb dieser Qualifikation sind eine dreijährige Beurfserfahrung und eine erfolgreiche Meisterausbildung in technischen oder naturwissenschaftlichen Bereichen.

Bis Mitte 2011 spielte das Lederinstitut Gerberschule Reutlingen eine wichtige Rolle bei der Aus- und Weiterbildung von Gerbern und anderen mit Leder verbundenen Berufen. Wegen der schrumpfenden Lederproduktion in Deutschland reduzierte sich auch die Nachfrage nach diesen Aus- und Weiterbildungen derart, dass Konkurs angemeldet werden musste. Verblieben ist das FILK (Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen FILK), das einen Teil dieser Aufgaben übernommen hat.

Inhaber der Fachhochschulreife können überdies ein Studium der Leder- und Schuhtechnik (Diplom-Ingenieur FH) aufnehmen.


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Gerbertaufe - Gerberbrunnen

Es ist eine Tradition, dass Gerber oder Ledertechniker nach ihrem Abschluss die Gerbertaufe durchlaufen. Die kann an einem örtlichen Brunnen oder in einem großen Behälter erfolgen. In voller Montur werden die Absolventen ins Wasser getaucht. Eine feucht-fröhliche Veranstaltung als Feierlichkeit zum gelungenen Abschluss.


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Weitere Informationen



Film über die Lederherstellung


Die Lederherstellung in einer modernen Gerberei.



Die traditionelle Hirngerbung.



Die Lederherstellung mit Gerbstoffen der Eiche.



Die Sämischgerbung.


Stationen der Lederherstellung
Lagern - Weichen - Äscher - Entfleischen - Spalten - Beizen - Gerbung - Neutralisieren - Abwelken - Sortieren - Falzen - Durchfärbung und Fettung Trocknen - Zurichtung - Stollen - Endkontrolle


Verfahren der Gerbung
Chromgerbung - Lohgerbung - Weißgerbung - Fettgerbung - Synthetische Gerbung


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