Hautschäden

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Hautschäden

Hautschäden bei Rohhäuten können je nach Schweregrad und Ausprägung die Verwendbarkeit als Leder beeinflussen oder beeinträchtigen. Ein zu stark beschädigtes Leder kann im Schadensbereich nicht verwendet werden und beeinträchtigt somit die mögliche Ausnutzung der Fläche der Haut beim Zuschnitt.

Jährlich wird durch Hautschäden auf Rohhäuten in Deutschland ein geschätzter wirtschaftlicher Gesamtschaden von 250 Millionen Euro verursacht. Es wird dabei zwischen Intravital- bzw. Produzentenschäden (haltungsbedingte Schäden, die während der Lebenszeit des Tieres entstanden sind) einerseits und postmortalen Schäden (Schäden bei und nach der Schlachtung) andererseits unterschieden.

Im Folgenden sind einige Beispiele aufgeführt, die in der Praxis typisch sind und das Leder teilweise unbrauchbar machen oder höheren Verschnitt verursachen. Viele der aufgeführten Hautschäden sind bei der Rohhaut noch nicht sichtbar, sondern sind erst nach den ersten Arbeitsschritten in der Gerberei erkennbar.

Die verschiedenen Schadensbilder lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen. Ein Heckenriss kann wie ein Gabelstich aussehen und Schäden, die wie Zeckenbisse aussehen, können auch andere Ursachen haben.

In Deutschland wird angegeben, dass nur ca. 5% Der Rohhäuten für die Verarbeitung als Anilinleder in Frage kommen, wo jedes Naturmerkmal klar erkennbar ist und daher die Häute makellos sein müssen. Häute mit kleineren Schäden werden angeschliffen, die Schäden mit Füllmaterialien egalisiert und dann gefärbt und geprägt. Es werden statt der Färbung und Prägung auch Folien aufgeklebt. Auf diese Weise kann die Haut trotzdem für größere |Zuschnitte verwendet werden. Solange die kaschierten Schäden nicht zu groß sind und die Haltbarkeit der Verarbeitung langlebig ist, ist auch so ein Leder in seinem Preissegment von guter Qualität. Es kommt aber vor, dass zu beschädigte Leder trotzdem verarbeitet werden und dann nicht die erwartete Langlebigkeit erfüllen. Insbesondere das unterste Preissegment ist häufiger davon betroffen.


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Dungstellen

Dungstellen entstehen im Leder, wenn Exkremente zu lang auf der Haut kleben bleiben. Unter den Dungstellen vergrößern sich die Hautporen durch Schwitzen. Wenn Dungstellen nicht zu stark hervortreten, ist die Haut noch verwendbar.


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Dungstelle herangezoomt. Die Porenvergrößerung ist gut erkennbar (letztes Bild anklicken).


Gabelstiche

Gabelstiche entstehen durch das Treiben der Tiere mit spitzen Gegenständen. Das Leder ist dann unbrauchbar, wenn solche Verletzungen gehäuft auftreten und schlecht verheilt sind.


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Warzen

Wie Menschen haben auch Rinder Warzen. Bei den Arbeitsschritten in der Gerberei durchlaufen die Leder so viele Maschinen, dass die Warzen oft einreißen. Auch ohne das Einreißen sind Warzen eine Beeinträchtigung der Hautqualität.


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Heckenrisse

Heckenrisse ist der Oberbegriff von allen Arten von Narben durch Verletzungen an scharfen Pflanzenteilen wie Dornen oder Ästen, aber auch durch Stacheldraht. Es kommt auf die Menge, Länge, Breite und die Verteilung auf der Haut an, inwieweit die Lederhaut dadurch in der Verwendung eingeschränkt ist.


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Typischer Heckenriss.


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Vernarbter Heckenriss auf Narben- und Fleischseite.


Hornstöße

Hornstöße werden durch Kämpfe mit anderen Tieren hervorgerufen und können deutliche Narben hinterlassen.


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Operationsnarben

Auch Tiere können Operationsnarben haben. Diese sind dann auch im Leder sichtbar.


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Nackenfalten - Mastfalten

Nackenfalten und Mastfalten sind ein normales Phänomen und beeinträchtigen nicht den Wert der Haut bzw. des Leders. Sie entstehen bei Rindern im Hals- und Bauchbereich, wo die Bindegewebsfasern länger sind. Das Narbenbild ist in diesem Bereich markanter. Beim Zuschnitt des Leders muss berücksichtigt werden, dass die Narbung am fertigen Objekt symmetrisch ist, außer der Narbenunterschied ist ein gewollter Effekt, wie z.B. beim "Neckleder".


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Typische Nackenfalten beim Rind.


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Zeckenbisse

Zeckenbisse und Stiche anderer Insekten erscheinen als kleine Narbenschäden auf der Haut.


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Zeckenbisse und andere Insektenstiche.

 

Brandzeichen

Brandzeichen dienen der Markierung und Identifizierung von Tieren. Üblich sind der Heißbrand, der Kaltbrand, Ohrmarkierungen, Tätowierungen oder die Implantierung eines Markierungschips. Der Heißbrand und der Kaltbrand sind für die Tiere sehr schmerzhaft und nicht überall erlaubt. Dazu erzeugen diese Methoden deutlich erkennbare Hautschäden, die den Wert eines Leders mindern können.


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Brenneisen aus dem DLM - Deutsches Ledermuseum in Offenbach

 

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Brandzeichen werden mit glühenden Eisen in die Haut gebrannt.

 

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Mit Brandzeichen markiertes Rind in Brasilien.

 

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Brandzeichen im Kuhfell und auf pigmentiertem Glattleder.

 

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Narben von Brandzeichen im Rücken von Möbeln sind nicht zulässig.

 

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Brandzeichen auf Glattleder vom Rind mit und ohne Färbung.

 

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Bei pigmentierten und geprägten Ledern ist das Brandzeichen oft unsichtbar. Sichtbarmachung durch eine Wärmebildkamera nach rückseitiger Erwärmung des Leders. Schaut man genau hin, erkennt man eine "8" als Brandzeichen im Leder.

 

MÖGLICHKEITEN DER TIERKENNZEICHNUNG IM VERGLEICH
Methode Durchführung Sicherheit Schmerz Hautschaden
Brandzeichen, Heißbrand Hautverbrennung durch stark erhitzten Brennstempel. Sehr sicher. Änderung oft nicht möglich und mit erheblichem Aufwand verbunden. Starker Schmerz durch Verbrennung. Große Narbe
Kaltbrennen, Kaltbrand Freeze Branding. Der Markierungsstempel wird stark abgekühlt und auf die zuvor geschorene Haut gedrückt. Das Ergebnis ist eine Pigmentzerstörung in der Haarwurzel. Das Fell wächst weiß nach oder bei längerem Aufdruck gar nicht mehr, was bei hellem Fell nötig ist. Sehr sicher. Änderung oft nicht möglich und mit erheblichem Aufwand verbunden. Weniger Schmerzhaft als die Verbrennung. Große Narbe
Ohrmarkierung mit Plastikmarke Mit einer Zange wird ein Loch ins Ohr gestochen und eine beschriftete Plastikmarkierung oder Metallmarkierung angebracht. Leicht. Kann ausgetauscht werden. Geringer Schmerz. Bedeutungsloser Schaden für die Lederherstellung.
Tätowierung Tätowierung der Haut mit Farbe. Oft im Ohr oder der auf der Lippe. Sicher. Täuschung nur mit erheblichem Aufwand möglich. Schmerzhaft. Bedeutungslos für die Lederherstellung, auch weil meist im Ohr.
Mikrochip Implantat Ein Transponderchip wird unter die Haut implantiert. Sicher. Täuschung nur mit erheblichem Aufwand möglich. Geringer Schmerz. Bedeutungslos für die Lederherstellung.


Striegelrisse

Striegelrisse sind i. d. R. nur oberflächliche Verletzungen. Sie verlaufen dann linienförmig in gleicher Richtung.


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Dasselfliege

Dasselfliege (Oestrida) ist eine Sammelbezeichnung für etwa 100 Arten von Insekten, deren Maden sich parasitisch von Säugetierwirten ernähren. Die rund zehn mitteleuropäischen Varianten befallen insbesondere Huftiere und sind bei der Gewinnung von Leder oft ein Ärgernis, da sie die Qualität der Häute beeinträchtigen können. In Südamerika existieren Varianten, die auch den Menschen befallen können.

Je nach Art plazieren die Dasselfliegen ihre Eier in Nase und Mund der Tiere oder befestigen sie an den Haaren. In der Folge entwickeln sich sogenannte Nasen-, Rachen-, Magen- oder Hautdasseln.

Bleibende Schäden am Leder verursachen die Hautdasselmaden, die sich - etwa bei der Großen Rinderdasselfliege - durch die Haut in das Tier einbohren und in das Brust- und Lendenwirbelfettgewebe einwandern. Besonders gefährdet sind Jungrinder in den ersten zwei Weideperioden. In Deutschland tritt meist die hummelähnliche, 13-15 mm messende "Große Dasselfliege" (Hypdorma bovis) auf. Die Schwärmzeit ist von Juni bis September mit Schwerpunkt im Juli. Die Fliegen leben nur 3-5 Tage und legen in dieser Zeit ca. 800 Eier an den Haaren der Rinder ab. Nach 4-7 Tagen schlüpfen die Larven und dringen durch die Haut in die Rinder ein. Dort wandern sie bis zum Wirbelkanal der Tiere, wo sie vom Dezember bis zum März verbleiben. In dieser Zeit dürfen die Larven nicht medikamentös behandelt werden, weil es zu gravierenden Schäden im Rückenmark kommen kann. Vom Rückenmarkkanal wandern die Larven dann im Rücken unter die Haut und bohren sich dort ein Atemloch. Dort entwickeln sich die Larven weiter und bilden die für die befallenen Tiere typischen Dasselbeulen. Im März und Juni verlassen die Larven dann das Wirtstier durch das Atemloch, um sich zu verpuppen. Nach ca. 40 Tagen schlüpft die Fliege, und der Kreislauf beginnt von vorne. In Frankreich, Belgien, Luxemburg und im Schweizer Jura treten Dasselfliegen stärker auf.


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Dasselfliege und die Dasselmade.

 

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Dasselfliegenbeulen auf dem Rücken eines Rindes. - Die Maden siedeln sich unter der Haut eines Hirsches an.

 

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Die narbenseitigen Schäden der Larve der Dasselfliege auf Hirschleder.

 

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Und von der Fleischseite.

 

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Hirschfell mit Schäden durch Dasselfliegen.

 

Schon in Quellen des 18. Jahrhunderts lässt sich nachlesen:

Die Brämse ist ein zwar unansehnliches, aber fast für jede Thier=Gattung fürchterliches Geschöpf. Die Brämsen, die unserm Rindviehe nachstellen, verursachen oft den Häuten großen Schaden. Sie schweben dem Thiere so lange nach, bis sie Gelegenheit gefunden haben, ein Ey auf dasselbe fallen zu lassen. Das Ey hat etwas Kleberiges an sich, hängt sich in die Haare des Thieres an, und glitscht endlich auf die Haut hinab. Hier wird es durch die natürliche Wärme des Thieres ausgebrütet; der Wurm frißt sich in die Haut hinein, und lebt zwischen derselben von den Säften des Thieres, bis er zu einer bräunlichen Puppe (Engerling) wird, aus welchem im folgenden Frühjahre wieder eine Brämse entsteht. Die Haut des Thieres wird von diesem Wurme, wo er sich ansetzt, auf dem ganzen Rücken dermaßen durchlöchert, und voller Narben, daß sie ganz unbrauchbar wird. Bey frisch geschlachteten sowohl, als trocknen Häuten, erkennt man sie an den länglichen Beulen zwischen der Fleisch=Haut gar leicht, wofern nicht betriegerische Leute durch verschiedene Kunstgriffe, die ich hier mit Fleiß verschweige, selbige dem Käufer unsichtbar machen.

(J. G. Krünitz (Hg.) et al.: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft. Berlin: 1796. Bd. 68. S. 33.)


Schäden bei der Enthäutung im Schlachthof

Beim Enthäuten im Schlachthof kann es zur Beschädigung der Haut kommen. Eine falsche Schnittführung kann die Flächenausbeute reduzieren. Dazu wird in Schlachthöfen maschinell enthäutet. Durch den starken Kraftaufwand bei diesem Prozess kann die Narbe einreißen (Narbenplatzer). Insbesondere Häute von Kühen, die Kälber geboren haben, neigen zu Narbenplatzern.


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Schnittschaden und Narbenplatzer beim Enthäuten.

 

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Weitere Gründe für Hautschäden

  • Konservierungsschäden durch unzureichende Haltbarmachung nach dem Abziehen. (z. B. Verfaulen durch Bakterieneinfluss oder Salzflecken).
  • Hautparasiten wie Räudemilben, Läuse und Haarlinge schädigen die Haut und beeinträchtigen die Lederqualität.
  • Auch Hautpilze (Flechten) schädigen die Haut und dadurch das Endprodukt Leder.


Sind Hautschäden ein Mangel?

Kunden in Deutschland wollen oft makellose Ware. Falten, Narben oder Narbenunterschiede werden als Mangel empfunden. Dabei gehören viele Oberflächenunterschiede zur Natürlichkeit des Leders dazu. Eine gut verwachsene Narbe ist oft stabiler als das Umgebnungsleder. Eine Falte im Leder ist so natürlich wie in Ihrer Armbeuge oder Handinnenfläche. Die natürliche Kuhhaut hat Narbenunterschiede über die Fläche verteilt. Wer ein absolut einheitliches Narben- und Farbbild vor sich hat, hat meist ein stark zugerichtetes (oberflächengefärbtes) Leder, was oft dazu noch nachgeprägt wurde. So ein Leder ist kälter, fester und weniger natürlich als ein Leder mit Unterschieden.

Solange ein Leder stabil ist und auf die Unterschiede klar hingewiesen wurde, ist es eine ehrliche Beratung und als guter Service zu verstehen. Solange ein Kunde versteht, was er bekommt und wo die Unterschiede sind, verhält sich der Handel fair. Trotzdem kann es natürlich zu Meinungsunterschieden kommen, ob ein Hautunterschied akzeptabel ist oder den Wert des Lederobjekts mindert. Dann müssen Experten entscheiden, ob ein Mangel vorliegt.


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Nicht jeder Hautfehler kann so entschuldigt werden, es ist aber eine ehrliche Information für den Kunden.


Weitere Informationen


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